Montag, 30. Juni 2008

Krieg der MMOs: Aion

Wenn man sich die vergangenen vorgestellten Spiele betrachtet, was fällt einem auf? Sie haben ihren Ursprung im Westen! Dabei sind eigentlich Onlinespiele alles andere als ein unbekanntes Terrain für die Menschen im fernen Osten. Doch meist sind die entwickelten Spiele einfach zu kurzatmig oder dünn aufgebaut, um vom verwöhnten Europäer oder Amerikaner eines großen Blickes betrachtet zu werden. Aion soll dies ändern.

Schon beim Ansehen erster Screenshots lässt sich die asiatische Herkunft erkennen. Der Grafikstil erinnert an Anime. Charakterdesign an Final Fantasy. Effekte so bombatisch, ganz nach traditioneller RPG-Kultur des fernen Ostens. Somit wird dies schon das erste ernsthafte Kriterium hiesiger MMOGler sein. Doch etwas westliches hat es dann doch: Die verwendete Cry-Engine stammt von den Jungs von Crytek aus Deutschland.

Wenig überraschend hebt sich dann auch das Setting vom Rest ab. Das Spiel spielt auf einem Planeten namens Atreias, welcher in zwei Hälften zersprungen ist. Auf jede der beiden Hälften lebt ein Volk, welches einst eines war, doch aufgrund unterschiedlicher Lebensbedingungen sich unterschiedlich entwickelte und nun sogar Feindschaft gegeneinander hegt. Dies wären zum einen die Elyos auf der lichtdurchfluteten Seite und zum anderen die Asmodier auf der düsteren Seite.

Beide haben eines gemeinsam: nämlich dass ihnen Flügel wachsen, wodurch sie guten und bösen Engeln ähneln. Doch diese Flügel sind auch ein Gameplay-Element, denn (und nun Achtung!) sie erlauben es zu fliegen, was nicht nur zur reinen Fortbewegung dient, sondern auch Luftkämpfe ermöglicht. Das Feature hat aber ein Zeitlimit, damit Distanzen nicht nur fliegend überbrückt werden. Genauer wird das durch eine Art Ausdauerbalken geregelt, der abnimmt während man in der Luft ist und sich wieder auflädt, wenn man am Boden verweilt.

In meinen Augen erfreulich ist der Fakt, dass die Charakterentwicklung mal wieder nicht linear geschieht. Zu Beginn hat man nur die Wahl zwischen den vier Grundtypen Krieger, Späher, Magier und Priester, um sich dann später auf eine von zwei Unterklassen zu entscheiden. Beim Krieger wären das Gladiator und Templer, beim Späher Jäger und Assassine, Zauberer und Beschwörer beim Magier sowie Kleriker und Kantor beim Priester.

Ziel der Entwickler ist es die beiden Spielausrichtungen PvE und PvP miteinander zu verweben. Das Ergebnis nennt sich dann PvPvE und sieht folgendermaßen aus: Das primäre Schlachtfeld nennt sich Abyss und ist der Raum zwischen den beiden Planetenhälften. Hier gilt es eine Dominanz zu erreichen, um zu Aion zu gelangen, der Turm, der dem Spiel seinen Namen gibt. Doch was so simpel klingt, erweist sich als gar nicht so einfach, denn noch eine Partei mischt mit: die Balaur. Das Urvolk Atreias, die sich jedoch von ihren Schöpfern abgewandt haben, ein unerfreuliches Eigenleben entwickelten und mit Ach und Krach eigentlich verbannt wurden, aber irgendwie scheinen Bannsprüche nicht mehr das zu sein, was sie mal waren und so sind sie wieder da - mit einer üblen Laune.

Der Abyss ist im Übrigen noch in einzelne Untergebiete unterteilt, um die Brennpunkte bei Schlachten besser auszumachen. Allgemein arbeitet im Abyss im Hintergrund ein interessantes PvP-System, denn es ist möglich durch gewisse Anstrengung einen Heldenstatus zu erlangen. Dieser Status gibt dem Charakter so starke Fähigkeiten, dass man gegen mehrere Feinde kämpfen und diese gar besiegen kann. Doch trotz vermeintlicher Überlegenheit sollte man davon absehen Rambo zu spielen, denn betritt man eine feindliche Zone, wird jenen dies angesagt - die sich total freuen einen Helden umhauen zu dürfen, denn das lässt die eigene Wertung steigen.

Was hat das Spiel sonst noch zu bieten? Nun, diejenigen, die Final Fantasy VIII kennen, dürfen sich auf eine Wiederkehr des Materia-Systems freuen. Zumindest auf jenes basiert das, was man in Aion Stigma nennt. Steine, die man auch kaufen kann, und man auf eine Art Brett ablegt um Zugriff auf Boni zu haben. Natürlich hat das Brett nur eine begrenzte Anzahl an Fächer.
Ebenso ist ein Handwerkssystem vorhanden, welches sich auf folgende Berufe erstreckt: Alchimie, Kochen, Waffenschmieden, Rüstungsschmieden, Schneidern und Handwerken (was wohl am meisten dem Juwelenschleifen aus World of Warcraft nahekommt). Benötigte Rohstoffe können in der Spielwelt gesammelt werden, sowie auch als Beute von besiegten Monstern.

Fazit: Nach dem Erscheinen von Age of Conan hat sich Aion zum Hypetitel #2 nach Warhammer Online in den offiziellen (deutschen) World of Warcraft-Foren gemausert. Dies deutet schon an, dass da wohl kein 08/15-Asiagrinder in Arbeit ist, sondern ein Online-Rollenspiel, welches ernst genommen werden möchte und in der oberen Liga mitspielen will. Die Chancen stehen gut noch mehr Bekanntheit im Westen zu erreichen, wenn erstmal die Betas dort starten (bislang ist alles auf Korea beschränkt). Knackpunkt des Spiels wird jedoch der Abyss sein, denn wenn das Konzept nicht aufgeht, steht das Spiel erstmal doof da.

Spiel: Aion: The Tower of Eternity
Entwickler: NCSoft (Südkorea)
Erscheinungsdatum: 2009
Deutsche Website: http://eu.aiononline.com/de/