Donnerstag, 7. Mai 2009

Die Amokverbieterei der Politik...

... oder wie man es sich beim Volk verkackt.

Meine Güte ist das ein Trauerspiel. Eigentlich sollte man Mitleid zeigen, wenn es nur nicht um die höchste politische Ebene Deutschland gehen würde. Die Bundesregierung hatte schon von Beginn an dank Schäuble leichte Paranoia und dachte, sie hätte die tollsten Ideen zur Bekämpfung von Problemen (siehe Vorratsdatenspeicherung), aber was nun seit etwa einem halben Jahr an Vorhaben gezündet wird verursacht Magenkrämpfe.

Dass nach der Tat von Winnenden die "Killerspiele"-Debatte wieder auflebt war voraussehend und glücklicherweise ist sie auch vergleichsweise wieder schnell abgeebbt und viele Medien standen mit ihrem Fingerzeig und ihrer Polemik ziemlich alleine da. Ein Teil (von Großteil will ich noch nicht reden) der Bevölkerung scheint kapiert zu haben, dass nach zwei Verschärfungen des Jugendschutzgesetzes und Tausenden von Spielern, die harmloser als eine Mücke sind, ein Verbot evtl. doch nichts bringen würde.

Nächster vermeintlicher Geniestreich ist nun die Sperrung von Internetseiten, die (angeblich) Kinderpornografie beinhalten - mit einer Sperrliste, die nicht eingesehen werden kann und Stoppschildern, deren alleinige Betrachtung einen verdächtigt werden lässt. Hirnrissig hoch 42! Die vielen Argumente gegen die Maßnahme möchte ich hier nicht erläutern, das haben andere schon sehr ausführlich getan (empfehle den Blog Netzpolitik dafür!), aber die technische Umgehung der Sperren ist machbar und zudem denke ich, dass die Sperre der Kipo mehr nützt als schadet, denn die Täter und Konsumenten ziehen sich einfach in geheime(re) Netzwerke zurück und zugleich wird eine Wegschaumentalität gefördert.
An dieser Stelle daher auch mein Aufruf an die Beteiligung der Online-Petition auf der Seite des Bundestages. Das Ziel 50 000 Mitzeichner wird zwar sehr bald erreicht sein, doch jede Unterschrift darüber hinaus bekräftigt nochmal den Unwillen der Bürger/innen diesen Schwachsinn einfach hinzunehmen.

So, kommen wir nun zum eigentlichen Auslöser dieses Eintrags. Denn es ist bekanntlich das Super-Wahljahr und daher darf keine Müdigkeit an unrealistischen oder schlichten, aber dadurch auch dämlichen, Ideen vorgeschützt werden! Nächstes Opfer der Amokverbieterei: Paintball bzw. Laserdom. Verdammt, werden sich die Damen und Herren in der Koalition gedacht haben, die pösen Killerspieler sind zu viele, das würde sich in den Wahlen zeigen, warum gehen die auch wählen, aber hey, diese Paintballer sind weniger und es ist viel näher an richtigem Schießen. Potzblitz, lasst uns das verbieten! Das kommt sicher gut!
Nun, ich sag's mal so: FAIL! Über 86% der Umfrageteilnehmer bei tagesschau.de sind gegen ein Verbot - bei über 17 000, ja fast 18 000 Menschen, die teilgenommen haben (Donnerstag, ca. 18:30 Uhr). Danke Deutschland! Die Umfrage ist zwar nicht (offiziell) repräsentativ, aber die Tendenz sehr klar. Verbote bringen uns nicht weiter, lösen keine Probleme (zumindest auf dieser Ebene) und überhaupt will man uns bzgl. der Wehrpflicht eigentlich verarschen?

Mal ganz ehrlich, durch mein Alter bin ich kein alter Hase, was Wahlen angeht, aber von allen an denen ich bisher teilnehmen konnte, werden die kommenden die einfachsten sein. Noch nie war die Entscheidung für mich so leicht, wo ich mein Kreuzchen zu setzen habe oder anders: garantiert NICHT zu setzen habe.